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3. Aspekte der Frühaufklärung - Gottscheds Regelpoetik: rationalistische Legitimation der Literatur (S.66 - 76)Bearbeiten

  • Johann Christoph Gottsched (1700 - 66), seit 1730 Professor der Poesie in Leipzig
  • versuchte eine rationalistische Legitimation der Literatur, bedeutete eine entschlossene Überwindung der Grundsätze des Barocks
  • strebte das Schaffen der Entwicklung einer eigenständigen deutschsprachigen Literatur an/hab ihr wichtige Impulse
  • Critische Dichtkunst (1730), Herausgeber zweier Moralischer Wochenschriften, übersetzte bedeutende Werke der Aufklärung ins Deutsche (Pierre Bayles "Dictionnaire historique et critique, 1697), wirkte in der "Deutschen Gesellschaft" mit, die sich um die Pflege der deutschen Sprache des 17 Jhd. bemühte, engagierte sich intensiv für das deutschsprachige Theater
  • wollte die Literaturtheorie an den Standard der aufgeklärten Philosophie heranzuführen, wollte das als zu gering geschätzte Niveau der deutschen Literatur heben und damit auch die Bedeutung der Literatur gegen deren (bürgerliche oder religiöse) Verächter verteidigen
  • Bürgertum war gegen die Lektüre literarischer Werke (Romane), weil diese als Zeitverschwendung und damit als Ablenkung von den ökonomisch bestimmten Realitäten angesehen wurde

>>> Literatur musste als gesellschaftlich nützlich, religiös unbedenklich und intellektuell wertvoll angesehen werden, um den Einwänden ihrer gelehrten, frommen oder realitätstüchtigen Verächtern entgehen zu können

  • Gottsched war NICHT für die Autonomie der Literatur oder den Autoren, sondern band die Literatur an Zwecke, die sich aus philosophischen Reflexionen ergaben
  • Gottsched sah die verständige Beurteilung von Literatur als eine Kompetenz an, die von jedem vernünftigen Individuum erworben werden konnte, daher verfasste er die "Regeln der Dichtkunst", Rezipienten der Literatur seien durch vernünftige Reflexion in der Lage die Gesetze der Literatur zu verstehen und im konkreten Fall anzuwenden
  • Gottsched beharrt damit auf der Möglichkeit eines verbindlichen allgemeinen guten Geschmacks, dieser rationalistisch fundierte "gute Geschmack" steht im Widerspruch zu den Stilmerkmalen der Barockliteratur (schwülstiger Stil XD)
  • Gottscheds Literatur ist funktional bestimmt, erlangt keine Autonomie, sondern dient fremden Zwecken ("Rezeptsatz", "Zu allererst wähle man sich...")
  • liter. Aufklärung im Sinne Gottscheds ist demnach nur eine Dienerin der philosophischen Aufklärung, da wenig gebildete Menschen die Lehrsätze der Philosophie nicht verstehen

>>> Literatur hat damit erziehrische Funktion, indem sie "diejenigen Subjekte, die dazu auf einem wissenschaftlichen Wege nicht fähig sind, auf das Niveau der Aufklärung hebt und damit zum "Richtig-Denken" anleitet" (S. 71), zielte auf Kultivierung des Bürgertums

  • Gottscheds Poetik hat normativen Charakter, nur lit. Gattungen und Formen, denen zugetraut wird, nützliche moralische Wahrheiten zu befördern, können als akzeptabel angesehen werden, ausgeschlossen werden damit das Wunderbare und alles empirisch nicht Anzutreffende (Romane, Märchen, Mythen, religiöse Epen, Lyrik wird skeptisch beurteilt) > Fabel dagegen gut
  • Gottsched orientierte sich an dichterischer Praxis des franz. Klassizismus, übernahm die rigide Lehre der drei Einheite (Ort/Zeit/Handlung) und die Ständeklausel (in dem hochgeschätzten Drama durften zum Beispiel nur Adlige mitspielen)
  • "Der sterbende Cato" - Gottsched (1732), Musterstück seines normativen Gattungsverständnisses
  • eleos und phobos (Jammer und Schauder) sollte ebenfalls beim Publikum erreicht werden + Identifikation mit dem Handelnden, aber: durch Ständeklausel kann ein Bürger sich theor. nicht mit dem Helden in einem Drama identifizieren, wodurch Drama als Vermittler moralischer Lehrsätze fraglich erscheint
  • auch das komische Drama, wozu auch "niedere" Personen zugelassen waren, diente der moralischen Unterrichtung des Publikums, Hauptzweck der Komödie lag im Verlachen derer, die von vernünftigen Normen abwichen

>>> indem Laster oder abweichende Verhaltensweisen auf der Bühne dem Spott überantwortet werden, dient die Komödie der Einübung konformer "vernünftiger" Verhaltensweisen

  • zudem wurde SPRACHE in den Mittelpunkt der Aufführung gerückt, Lachen wurde nicht seiner selbst willen gefördert, sondern in den Dienst der moralischen Belehrung gestellt
  • durch Gottscheds Position ergab sich eine Ablehnung Shakespeares, Miltons und auch Klopstocks
  • Gottsched glaubte, dass das Ganze der Welt durch die Vernunft in seinem Sinn erfasst werden kann

>>>bedachte nicht, dass Offenheit für neues Denken auch neue literarische Formen mit sich brachte


3. Aspekte der Frühaufklärung - Dichtungsformen der Frühaufklärung (S.77-92)Bearbeiten

  • poetische Tendenzen der Zeit vor 1750: Naturlyrik (Barthold Heinrich Brockes, 1680-1747), Lehrdichtung und Gedankenlyrik (Albrecht von Haller, 1708-77), "scherzhafte" Dichtung von Friedrich von Hagedorn, 1708-54), anakreontische Lyrik, verschiedene Arten von Lehr-und Fabeldichtung, Statirik
  • Dichtung der Frühaufklärung sehr an phil. Fragen und an der Veranschaulichung abstrakter Theorien interessiert
  • Barthold Heinrich Brocke: Irdisches Vergnügen in Gott, umgangreiche Gedichtsammlung (1721-1748)
  • dezidierte Hinwendung zum Diesseits und lit. Darstellung von Phänomenen der empirischen Welt
  • Vertreter der Physikotheologie (Richtung, die den Versuch unternahm, zwischen den Erkenntnissen der sich entwickelnden Naturwissenschaften und der traditionellen Theologie zu vermitteln)
  • Erfolg seiner Werke beruhte auf sprachlicher Fertigkeit der Naturbeschreibunge


  • Hambuger Dichter Friedrich von Hagedorn (1708-54)
  • Wieland, Lessing und Klopstock verehrten ihn und lernten von ihm
  • seine positive Bewertung der Sinnlichkeit bereitete die sensualistischen Tendenzen der Aufklärung vor
  • Gefällige und Scherzhafte dieser Dichtungsart haben dennoch eine kritische Geisteshaltung, Wendung gegen heroische und äußerliche Normsysteme sind Kritik an aristokratische Denk - und Verhaltensmuster, Zeichen für gewachsene lebensbejahende Bürgerlichkeit
  • erste Hälfte des 18 Jhd. : didkatisch orientierte Dichtungsformen
  • Lehrdichtung beruft sich auf antike Lehrdichtung, bemüht sich um die Vermittlung aufklärerischen Gedankenguts
  • einem nicht ausreichend gebildeten Publikum sollten Erkenntnisse und die aus ihnen abzuleitenden Zusammenhänge verständlich gemacht werden

>>> Lehrdichtung deckt sich mit Intention der moralischen Wochenschrift,

Lessing versetzt der didaktischen Poesie eine Art Todesstoß indem er die Dichtung auf die Darstellung von Handlungen und inneren Vorgängen menschlicher Psyche verpflichtet

  • unter Einflusss der Empfindsamkeit trat Bedeutung des Subjekts in den Vordergrund
  • Fabel: galt als vorbildliche Synthese von Poesie und moralisch-philosophischer Lehre
  • zwischen 1730 und 1770 haben viele Autoren wie Hagedorn, Gellert, Gleim und Lessing Fabeln veröffentlicht
  • Christian Fürchtegott Gellert: Fabeln dienen dem Nützlichen, ging im Wesentlichen darum, durch eine Leichtigkeit des Tons und eine treuherzig-biedere Sprache eine populäre Wirkung zu erzielen und auf diese Weise Wahrheiten zu "transportieren"
  • Lessing: Bevorzugte Texte, die ohne Umschweife die moralische Lehre darlegten, um derentwillen die Fabel erzählt wird
  • Fabel verliert um 1770 an Bedeutung
  • Gottlieb Konrad Pfeffel (1736-1809), eine neue ganz eigenständige Form der Fabel mit aggressiver politisch - satirischer Tendenz entsteht
  • Satire: Verlachen des Lasterhaften und Normwidrigen, Satire als "Strafgedicht" gegen Barbarei und Unvernunft
  • Christian Ludwig Liscow (1701-60) greift z.B. in seinen Satiren Misstände in der Kirche und Universitäten auf
  • Satire als privilegierte literarische Ausdrucksform des aufklärerischen Bewusstseins, ist auf unmittelbare Wirkung in der lit. Öffentlichkeit und in der gesell. Umgebung aus, scheint so sehr situationsgebunden
  • Gottlieb Wilhelm Rabener (1714-71): Sehr zahme und zurückhaltende Satiren, menschliche Schwächen werden nur vage aufs Korn genommen, meinte, man hätte nicht das Recht Kirche und Fürsten aufs Korn zu nehmen, Rabeners Schriften darum große Beliebtheit
  • bei Wieland und in der Spätaufklärung werden satirische Elemente in Romanform integriert

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