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Lexikographie: Einführung & Wörterbuchgeschichte

- Lexikographie leitet sich vom altgr. Wort lexikón biblíon „das Wort betreffende Buch“ und –grafie ab

- Munir El-Ba’labaki: Verfasser eines englisch-arabischen Wörterbuches; = von einem Wörterbuch wird sprachliche Norm- und Systemsicherheit erwartet, da es sporadisch gelesen wird.

- Wörter lassen Herkunft, Bildung, Einstellungen und Wertungen eines Sprechers oder seine Fachkenntnisse erkennen è wählen unsere Wörter gezielt und sorgfältig aus

- In der linguistischen Forschung befassen sich die Lexikologie und die Lexikographie mit der Sammlung und Beschreibung von Wörtern.

- Lexikologie = Wort- und Wortschatzwissenschaft untersucht in zahlreichen Spezialisierten Teilgebieten:

· Aufbau,

· Funktionen und

· Zusammenwirken der Wörter.

- Lexikographie = Wörterbuchhandwerk:

· Wörter sammeln und

· Wissen über die Wörter für verschiedene Nutzergruppen zur Verfügung stellen

- Teilgebiete der Lexikologie: bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen; eigene Traditionen

- Seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts : Lexikographie durch die Linguistik zum Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen + entwickelte sich als Disziplin innerhalb der Linguistik

- Lemma „Wörterbuch“ in der aktuellen Ausgabe von „Duden, Deutsches Universal Wörterbuch“: „Nachschlagewerk, in dem Wörter einer Sprache nach bestimmten Gesichtspunkten verzeichnet [u. erklärt] sind“

- spezifische Wissen = lexikalisches Wissen

- komplexes System, das sich aus mehreren, unterschiedlichen Kenntnissen zusammensetzt

- Wissen wird für die Produktion und Interpretation sprachlicher Äußerungen abgerufen

- Voraussetzung für ein Wörterbuch: sprachliche Norm- und Systemsicherheit

- verpflichtet die Autoren der neuen Wörterbücher zu besonderer Sorgfalt

Ein Wörterbuch muss bestimmte Voraussetzungen und bestimmte Anforderungen erfüllen, wie:

  • die der Gestaltung,
  • der Anordnung,
  • der Benutzungssituationen
  • der Funktionen
  • des Benutzerkreises
  • und seiner Bedürfnisse,
  • der Darbietung
  • der Datentypen, des Umfangs usw.

- Im 15. und 16. Jahrhundert: Wörterbücher vor allem wegen Verständnis lateinischer Texte, das Deutsche wurde jeweils in seiner regionalen Ausprägung verzeichnet

- erst im 17. und 18. Jahrhundert: Bemühungen um eine Kodifizierung der im gesamten deutschen Sprachgebiet geltenden Sprache

- Wörterbuchforschung beschäftigt sich seit dem 17. Jahrhundert systematisch und wissenschaftlich mit Sprachwörterbüchern und hat daher eine recht junge Entwicklung.

2. Produktion lexikographischer Werke

Die Produktion lexikographischer Werke kann in verschiedene Phasen eingeteilt werden:

Planung

- Zweck und Zielgruppe werden besitmmt

- auch weitere Auswahlkriterien bezüglich Lemmata werden vollzogen

- wichtig: Kalkulation des Aufwands

- Erstellen eines Musterartikels

- Leitfadens für das Erstellen des Wörterbuches

Wortstrecken vorbereiten

- Recherche in vorhandenen Nachschlagewerten oder beispielsweise Fachpublikationen

- Einheiten werden ausgesucht, die als Lemmata bearbeitet werden sollen

Artikel strukturieren

- Artikel für das Wörterbuch werden erstellt

Redaktionelle Bearbeitung

- Qualitätskontrolle: Korrektur wird gelesen, offene Fragen geklärt und beispielsweise der Umfang der jeweiligen Artikel geprüft

Produktion

- Letzter Schritt: Produktion und Vertrieb

3. Aufgaben der Lexikographie

- Lexikographie: Sprachwörterbücher konzipieren.

- Zunächst die Frage nach Ziel und Motivation des jeweiligen Benutzers

--> für jede Zielgruppe werden verschiedene Sprachwörterbücher je nach Motivation erstellt

- Es gibt:

· Lexika mit Sachinformationen über Begriffe (bspw. Praxisanwendungen, geschichtliche Entwicklung, etc.)

· oder Lexika mit sprachlichen Informationen über Wörter (bspw. Grammatik, Herkunft, Bedeutung)

- Heutige Ziele und Motivationen von Sprachwörterbüchern:

· Förderung der individuellen Sprachentwicklung

· Förderung des exakten Sprachgebrauchs

· Förderung der Stilsicherheit

· Förderung der Sprachkenntnisse nicht muttersprachlicher Sprecher

· Förderung der Sprachkultur

· Förderung der Verständigung zwischen Experten und Laien

- In der älteren Lexikographie: Motivationen wie die Förderung der Sprachreinheit oder des Nationalbewusstseins nachweisbar

- Wörterbücher (insbesondere Sprachwörterbücher) = wichtiges Hilfsmittel für eine sprachliche Verständigung

- Benutzer können außerdem neben sprachlichem Wissen auch die Kenntnis über Sachwissen erlangen


4. Aufgaben der Lexikographie

- zwei verschiedene Produkte in der Lexikographie:

=> herkömmliches lexikographisches Produkt: Drucktext in Buchform

=> inzwischen: auch digitale Wörterbuchformen

Eigenschaften der Print-Wörterbücher:

4.1'"Textsorte" Wörterbuch

- In Wörterbüchern: lexikalischen Einheiten (einem Wort oder einer Wortgruppe) werden bestimmte dokumentarische und erklärende Informationen zugeordnet

ð sollen den Wortschatz einer Einzelsprache oder einen Teilwortschatz dieser Sprache abdecken

- Jeder Artikel besteht aus Lemma (Artikelkopf), Textteil und gegebenenfalls dem Verweisteil

- Struktur eines Artikels:

· Lexem wird überschriftartig durch ein Stichwort oder Lemma repräsentiert (Lemma ist die Grundform des Wortes, die Wortform nach der man in dem jeweiligen Lexikon sucht)

· Lemma bildet dabei mit den zugeordneten Informationen, dem Textteil, einen Artikel als kleinste selbstständige Informationseinheit des Wörterbuchs

4.2 O'rdnungssysteme von Wörterbüchern'

- Jedes Wörterbuch hat eigenes Ordnungssystem

- Ordnungssysteme regeln die Abfolge der Lemmata

ð Benutzer ist dadurch in der Lage einzelne Lemmata gezielt aufzusuchen

- Aus diesen Eigenschaften à Charakter des Nachschlagewerks

4.3 Merkmale der Artikeltexte

- In Artikeltexten: regelhafter Wechsel typographischer Formate zur Kennzeichnung

bestimmter Informationsebenen erkennbar

ð Lemmata (Stichwörter) werden beispielsweise fettgedruckt, die Objekt – und Metasprache durch den Wechsel von Recte- und Kursivsatz unterschieden

ð Objektsprache ist hierbei die Sprache, über die man spricht

ð Metasprache die Sprache, in welcher man über die anderen spricht

- Artikeltexte können durch Abkürzungen, Symbolverwendung, telegrammstilartige Formulierungen komprimiert werden

- Interpunktion ersetzt zum Teil verbalisierte Hinweise

5. Grundlagen der Wörterbucharbeit

- Grundlagen der Wörterbucharbeit setzen sich aus den folgenden 4 Komponenten zusammen:

    • Wissensbasis: setzt sich aus der Etymologie, Semasiologie, historische Laut-/ Formenlehre zusammen
    • beschäftigt sich mit der Schicht des linguistisch-philologischen Domänenwissens + entscheidende Rolle für die Wörterbuchplanung und– Wörterbuchbearbeitung
    • Wissensorganisation: befasst sich mit den lexikographischen Arbeits- und Entwicklungsschwerpunkt
    • beinhaltet zudem die Selektion Mikrostruktur und die Belegreihen u.s.w.
    • Wissensprüfung/-ermittlung: gegebener Wissensstand muss überprüft oder ggf.modifiziert werden, falls es dazu Anlass gibt
    • Wissensvermittlung: Schwerpunkt liegt in der Korpusbildung und Korpauswertung
  • umfasst alle Regeln und Entscheidungsabläufe wie z. Bsp. Textsorte, Experten und Laiennutzung und die Transfernutzun

6. Informationsaufbau von WörterbüchernBearbeiten

- Informationsaufbau von Wörterbüchern in zwei Gruppen:

· Mikrostrukturen

· und Makrostrukturen

- Makrostruktur ist für die Anordnung der äußeren Zugriffsstruktur von Wörterbüchern verantwortlich

- Mikrostruktur für den Aufbau und Inhalt der Wörterbuchartikel verantwortlich

- Mikrostruktur organisiert Artikelebene der dargestellten Sachverhalte

- von der Textebene gesehen: Mikrostruktur umfasst alle Funktionen und Merkmale einer Artikeloberfläche wie z.Bsp. Typografie, Interpunktion oder Klammersetzung

- Mikrostruktur in der Wissensstruktur: Organisierte Abfolge verschiedener Informationsmodule

=> Lemma (Thema, Bedeutung, Inhaltsangabe) bildet eine entscheidende Rolle, wie die einzelnen Wörterbucheinträge organisiert werden

- Makrostruktur ist für Ordnung und für alphabetische Anordnungen der Stichworteinheiten zuständig

- Neben dem Wörterverzeichnis (= obligatorischen Bestandteil eines jeden alphabetisch geordneten Wörterbuches ): Vor- und Nachspann (eines Wörterbuches)

=> Vor und Nachspann können beispielsweise Vorwort, Benutzungshinweise, Abkürzungsverzeichnisse, Deklinations- und Konjugationstabellen, grammatische Begriffe, Listen zu geographischen Bezeichnungen etc. umfassen.

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