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Ernst Pöppel: Wissen - und wie es kommuniziert werden kannBearbeiten

Das ästhetische WissenBearbeiten

  • drei Formen des Wissens:
    • begriffliches bzw. explizites Wissen
    • implizites oder Handlungswissen
    • bildliches oder Anschauungswissen
  • Eine "Gesellschaft des Wissens und Lernes" muss ihr Wissenspotential dreifach gestalten: als explizites, implizites und bildliches Wissen
  • diese drei Formen sind voneinander abhängig
  • Grundprinzip des Wissens
  • Inhalte der drei Wissensformen sind nur dann in uns verankert, wenn sie dem ästhetischen Prinzip gehorchen: Wir können nur dann etwas als richtig oder wahrbegreifen, wenn es in einfacher Form, sei es in einem einfachen Bild oder in einer einfachen Formel, also ästhetisch, dargestellt werden kann
  • Ästhetik von griech. "aisthesis": Wahrnehmung, Gefühl, Erkenntnis
  • Kant: Ästhetik als die "Wissenschaft von Regeln der Sinnlichkeit überhaupt"

Explizites WissenBearbeiten

  • Auskunft erteilen können
  • Information mit Bedeutung
  • bewusst
  • katalogisiert und katalogisierbar (Lexika, Enzyklopädien etc.)
  • wird durch lernen erworben
  • Anspruch, jedes Problem klar und deutlich zu formulieren und damit auch lösen zu können
  • "Ich weiß, dass ich nichts weiß"
  • Ich-Fernes Wissen
  • kann nur deshalb unverfälscht wiedergegeben werden, weil man sich davon distanzieren kann
  • strebt nach Ordnung
  • Stimmigkeit, Einfachheit und Klarheit als ästhetische Kriterien

Implizites WissenBearbeiten

  • bezieht sich auf Können und Handlungen
  • "Ich weiß nicht, dass ich weiß"
  • Ungefragt und ungesagt weiß man Bescheid; mit klärenden Worten verwirrt man sich
  • Ich-Nahes Wissen
  • wird als Geschehen erlebt, das ein Teil von uns ist
  • instinktiv
  • unmittelbar zu uns gehörend
  • Stimmigkeit, Harmonie, Gestaltbildung als ästhetische Kriterien
Körperliches WissenBearbeiten
  • bestimmte erlernte Bewegungsabläufe, die selbstverständlich geworden sind
  • wenn man etwas wirklich kann, dann beherrscht man ohne Anstrengung den Bewegungsablauf, ohne dass man sich darauf konzentrieren müsste
heuristisches WissenBearbeiten
  • Gewohnheitswissen
  • Abläufe und Rituale, die nicht mehr hinterfragt werden
IntuitionenBearbeiten
  • Nichtberechenbarkeit von Wissen
  • kann sich in Unberechenbarkeit äußern
  • garantiert absolute Individualität
  • spiegelt sich in Entscheidungen
  • nicht irrational; man kann sich rückblickend immer der Sinnhaftigkeit des Handelns versichern

Bildliches WissenBearbeiten

  • äußert sich in dreifacher Form:
    • Anschauungswissen
    • Erinnerungswissen
    • abstrahierendes Wissen
  • Unmittelbarkeit
  • Ich-Nähe
  • begrenzt
  • repräsentiert vergangene oder gegenwärtige Wirklichkeit
AnschauungswissenBearbeiten
  • selbstverständlich
  • bei der visuellen Wahrnehmung wird immer etwas Bestimmtes erkannt
  • "Die Gliederung des Sehraumes und die Gestaltung der visuellen Welt, das Wahrnehmen von Gegenständenund damit ihr Fürwahrnehmen, ist ein Ausdruck unseres bildlichen Wissens, das unser gegenwärtiges Erleben erfüllt." (15)
  • unmittelbar
ErinnerungswissenBearbeiten
  • auch: Episodenwissen
  • sinnliche Erfahrungen
  • bleibende Eindrücke und hervorstechende Episoden der Vergangenheit, die sich in unser Gedächtnis eingeprägt haben
  • grundlegend für die Gestaltung eines Rahmens, in dem das Selbstwissen gefasst ist
  • nicht mitteilbar
  • Ich-Nähe
  • individuelle Bedeutung
  • in höchstem Maße subjektiv
Abstrahierendes WissenBearbeiten
  • strukturiert
  • lässt sich in Formeln zusammenfassen
  • wird aus der Distanz betrachtet
  • Vorstellungswissen ist in der analytischen Geometrie verankert (René Descartes)
  • erzeugt anschauliche Vorstellung
  • einfach
  • Ich-nahes Wissen
  • muss ästhetische Qualität haben, denn nur dadurch wird Information vermittelt und Wissen entsteht

Das mimetische PrinzipBearbeiten

  • Wissen als Nachahmen, Spiegeln, Abbilden, Verdoppeln
  • "Mimesis" als Grundprinzip des Wissens

AnschauungswissenBearbeiten

  • in unmittelbarer Weise entspricht der Seheindruck der Wirklichkeit
  • Anschauungen als der unmittelbare Ausdruck des mimetischen Prinzips als aktives Gestalten von Wirklichkeit
  • Verbindung zwischen der optischen Information und der subjektiven Bedeutung dieser Information
  • aktives Verdoppeln, damit das gesehen wird, was in einem gegebenen Augenblick an einem bestimmten Ort wichtig ist

ErinnerungswissenBearbeiten

  • auch hier aktive Verdopplung
  • festhalten von Ereignissen, die im Augenblick des Erlebens für den einzelnen bedeutsam waren
  • die inneren Bilder sind verändert und auch inszeniert, indem nur Wichtiges festgehalten wird, und damit in die persönliche Lebensgeschichte passen
  • Komplementarität der Informationen von außen und der Gestaltung von innen als Grundlage des Erinnerungswissen
  • zeitliches Brückenwissen: kann aus der Vergangenheit in die Zukunft tragen, indem man sich immer wieder selbst "verdoppelt"

Implizites WissenBearbeiten

  • mimetisches Prinzipt gilt in anderer Ausprägung
  • Intuitionen repräsentieren Lösungen
  • durch Verschränkung der Erfahrungswelt mit dem "Wissenden" charakterisiert
  • Ich-Nähe des Wissens gibt Vertrauen und Sicherheit

Topologisches WissenBearbeiten

  • Form des expliziten Wissens auf der begrifflichen Ebene
  • Abbild einer reduzierten Realität wird auf abstrakter Ebene vorgenommen
  • es wird explizit gemacht, indem es benannt oder topologisch dargestellt wird
  • Mimesis ist in diesem Fall abhängig von der vorausgehende Abstraktion


aus: Ball, Rafael (Hrsg.): Wissenschaftskommunikation der Zukunft. S. 11-21

Peter Haber, Jan Hodel: Historische Fachkommunikation im WandelBearbeiten

AbstractBearbeiten

  • Historiker reagieren zu Beginn des web 2.0 eher zurückhaltend auf die Veränderungen

Entwicklungsphasen im RückblickBearbeiten

  • Durchbruch des Internets Mitte der 1990er Jahre
  • Internet etabliert sich nur langsam in der historischen Forschungspraxis
  • Bibliothekskataloge begannen sich in der Schweiz bereits zu Beginn der 90er Jahre durchzusetzen, wurden aber anfänglich kaum genutzt
  • Online Public Acces Catalog (OPAC): grundsätzlich neue Arbeitsweise, die die Bestände wichtiger Bibliotheken zugänglich macht und gezielte Literatur- und Quellensuche erlaubt
  • Internet als als wissenschaftliches Arbeitsinstrument setzte sich Mitte der 90er Jahre durch
  • WWW wurde von Tim Berners-Lee in Genf entwickelt
  • den Wissenschaften sollte damit ein Instrument zur Verfügung gestellt werden, um Forschungsergebnisse auf einfache Art austauschen zu können
  • Hypertextualität, Multimedialität und kollaborative Arbeitsweise als zentrale Punkte bei der wissenschaftlichen Nutzung des Internets
  • Internet zunächst fast ausschließlich als Instrument zur Recherche
  • Was bedeutet Quellenkritik im digitalen Zeitalter?
  • Einstellung gegenüber historischen Quellen aus dem Netz von misstrauischer Vorsicht geprägt
  • das herkömmliche Instrumentarium sich nicht oder nur mit einigen Modifikationen auf Online-Ressourcen anwenden zu lassen
  • WWW also als komfortable, jedoch fragwürdige Recherchierhilfe
  • Zentrale Fragen:
    • sinnvolle Erschließung und korrekte Zitierweise von Online-Ressourcen
    • Aufbau von geschichtswissenschaftlichen Internet-Portalen
  • HistoryGuide, konzipiert an der Niedersächsischen Staats- und Unibibliothek Göttingen, Start: 1997; Konzept: "Das bibliothekarische Fachwissen sollte nicht nur zur Erschließung und Bereitstellung von gedruckter Literatur, sondern auch von Online-Ressourcen genutzt werden." (73)
  • Fragen:
    • Wie definiert sich das Publikationsdatum einer Website?
    • Wann kann man von einer Neuauflage sprechen und wie stellt man diese fest?
  • Fehlen von bei Büchern üblichen Paratexten!!
  • Später: Netz als mögliche Plattform zur Selbstdarstellung und Publikation eigener Forschungsergebnisse
  • H-Soz-u-Kult, wichtigste Plattform der Scientific Community, Gründung 1996, Teil des amerikanischen H-Net (History-Net), 14 000 Abonnenten, 1000 Fachrezensionen jährlich
  • Fragen:
    • Welche Auswirkungen hat der Beschleunigungseffekt der digitalen Medien auf die Qualität der fachinternen Debatten?
    • Wie verschieben sich die Grenzen zwischen dem wissenschaftlichen Fachdiskurs und einer "Feuilleton-Kultur"?
  • WWW setzt sich als neuer Publikationskanal für geschichtswissenschaftliche Arbeiten nur sehr zögerlich durch

Medialitäten der HistoriographieBearbeiten

  • Von welchen digitalen Hilfsmitteln erwarten wir uns eine Erleichterung und Bereicherung für den wissenschaftlichen Alltag?
  • hier: wissenschaftliche Kommunikation primär als Kommunikation innerhalb der Wissenschaft
  • wissenschaftliche Kommunikation im Bereich der Geschichtswissenschaften besteht seit rund 200 Jahren
  • bei allen Arbeitsschritten stellen sich Fragen, die die wissenschaftliche Kommunikation betreffen:
    • Formulierung der Fragestellung?
    • Suche nach entsprechenden Materialien?
    • Auswertung und Interpretation?
  • völlig neue Herausforderungen, vor allem bezüglich des Wissensmanagements
  • Medialität der Aufzeichnung prägt den Prozess der historischen Interpretation tiefgreifend

Computer Aided Historiography und virtual H-DeskBearbeiten

  • Voraussetzungen für den (geschichts-)wissenschaftlichen Arbeitsplatz:
    • Es muss möglich sein, mit digitalen Materialien zu arbeiten (Texte, Bilder, Videos etc.)
    • im Austausch mit Fachkollegen müssen sämtliche zur Verfügung stehenden Trägerformate verwendbar sein
    • Material soll in adäquater Form in seiner eigenen Darstellung präsentierbar sein
  • Computer Aided Historiography (CAH)² funktioniert weitgehend netzbasiert
  • virtual H-Desk = virtueller Geschichtsschreibtisch
  • folgt der Logik des kommunikativen Alltagsgeschehens in den Geisteswissenschaften: Informationen beschaffen und mit Kollegen austauschen, Ergebnisse formulieren und Publizieren
  • diese Arbeitsschritte ließen sich in vordigitaler Zeit noch einigermaßen einfach auseinander halten
  • im digitalen Zeitalter dagegen sind diese Arbeitsschritte immer enger miteinander vernetzt und oft gar nicht mehr voneinander trennbar

Information Retrieval und die Zugänglichkeit von InformationBearbeiten

  • Frage: Wie kommen wir an die gewünschten und benötigten Informationen?
  • Problem der Informationsflut
  • Wie kann man aus dieser ungeordneten Informationsmenge die gewünschte Information herausfischen?
  • Problem des Urheberrechts
  • "Information ist eine Ware, deren Herstellung, Veredeleung und Distribution nicht umsonst ist." (76)
  • Zugänglichkeit von (Fach-)Information ist für den Einzelnen immer mehr abhängig von Lizenzvereinbarungen derjenigen Institution, die den Zugang vermittelt

Systeme der OrdnungBearbeiten

  • Informationen gibt es in vielen verschiedenen Formen
  • "Die Ordnung und Strukturierung von Informationen in Ordnungssystemen sind der Mehrwert, den Individuen aus der unendlichen Menge zugänglicher Informationen generieren können." (77)
  • Wichtig: Fähigkeiten der Auswahl und der Strukturierung von Suchvorgängen und Suchergebnissen bei der erfolgreichen wissenschaftliche Kommunikation
  • Problem: Fehlende Einheitlichkeit anwendbarer Metadaten und der mangelnden Konsequenz ihres Einsatzes
  • "semantisches Web": Dokumente werden nach klaren Regeln so strukturiert, dass Maschinen den Inhalt nicht nur lesen, sondern auch "verstehen" können
  • Informationsbestände können ad hoc generiert und nach immer neuen Kriterien geordnet werden

Soziale VernetzungBearbeiten

  • soziale Vernetzung lässt sich sehr gut mit dem Austausch fachbezogener oder gar wissenschaftlicher Informationen verbinden
  • wissenschaftliche Weblogs ermöglichen die gleichzeitig fachliche und soziale Erschließung eines neuen Feldes
  • "Können wir in einem wissenschaftlichen Kontext [...] davon ausgehen, dass Einträge in einem Weblog den Charakter von akzeptierten Publikationen haben, sodass man Anspruch auf erstmalige Äußerungen eines Gedankens oder eines Forschungsergebnisses in einem Weblog-Eintrag geltend machen kann?" (78)

Digitale SchreibutensilienBearbeiten

  • muss unterschiedlichen Anforderungen durch Flexibiltät standhalten
  • soll die Erstellung von klassischen, linearen und Hypertexten ermöglichen

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