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„Grundlagen“ – Dimensionen und Probleme der historischen Aufklärung (S. 18 – 30)'Bearbeiten

- Immanuel Kant (1784):
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen sich seines eigenen Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. […] Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!, ist also der Wahlspruch der Aufklärung-
-->Grundzug des aufklärerischen Selbstverständnis wird hier deutlich

- soll keine fixierten Wahrheiten und Gewissheiten reproduzieren, sondern in einer selbstständigen Gedankenbewegung zu eigenen Einsichten gelangen
- Kants Definition ist keine „Lösung“ für den Aufklärungsprozess, sondern ein Ausdruck davon


- „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ – Friedrich Schiller
- „Geschichte des Agathon“ – Wieland '(Aufklärungsroman!)


- Aufklärung zwingt den Menschen autonom zu handeln/ sein Leben autonom zu bestimmen und mit seiner eigenen Leiblichkeit und den Begierden umzugehen
- aber: Durch Unterdrückung der „Natur“ in sich, zugunsten des Rationalismus und der Vernunft, befindet man sich in einem ständigem Kampf mit hier
>>>prägt die „schöne Literatur“
- analoge Ambivalenz in Bezug auf Politik bildet sich; bürgerliches Selbstbewusstsein vs. Wertesystem und Mentalität des Adels
( unpolitische und private Opposition gegen die herrschende Gesellschaft und deren Rationalität, löste Legitimationskrise der spätfeudalistischen Gesellschaft aus)


- Freiwilligkeit + Liebesgemeinschaft + Bildung = herausbildender Begriff der Humanität


- Habermas: Ambivalenz der Aufklärung (Autonomie des bürgerlichen Subjekts kann sich nur in der Privatheit artikulieren, findet an den Zwängen und Gesetzmäßigkeiten der äußeren Sphäre [ Bereich Ökonomie und Politik] aber ihre Grenzen)
> Gefahr der Aufspaltung des Subjekts in vermeintliche innere freie Privatheit und eine den Sachzwängen untergeordnete Äußerlichkeit
>>> Kant: Im Prinzip besteht die Verpflichtung, dass das kritische Denken sich auf ALLE Bereiche des menschlichen Lebens erstrecken sollte
(unmittelbarer Bezug bei Jakobiner Johann Benjamin Erhard (1766-1827) „Über das Recht des Volkes auf Revolution“ – nur durch Revolution kann Volk seiner Mündigkeit entgegen gehen)


„Grundlagen“ – Tendenzen der deutschen Aufklärung von Gottsched bis Wezel (S. 30 -47 )Bearbeiten

- Autobiographie „Dichtung und Wahrheit“ – Goethe
- rationalistische Grundlage der Literaturtheorie: Gottsched!!! (Professor für Philosophie und Poetik)
- obwohl die Opposition sich gegen die Regelpoetik Gottscheds wendet, profitiert sie von den Klärungen und Bestimmungen
>Anspruch einer rationalen Poetik wird zurückgewiesen, dafür entwickeln sich die Bedingungen der Möglichkeit für eine Autonomie des Literarischen
>>man spricht Literatur Erkenntnis – Ausdrucks und Reflexionswert zu!!! (was die Philosophie nicht vorweisen kann)
- 1750: Dichter vermissen den Stellenwert des Subjektiven und die Bedeutung des Natürlichen in der Regelpoetik
- Sensualistische Tendenz des 18. Jhd. in der Aufklärung: Höherbewertung der Sinnlichkeit gegenüber dem Verstand und der Vernunft
- Anakreontik: formal und inhaltlisch stark an antiken Vorbildern orientiert (Gleim/Hagedorn, S. 33)
= Kritik an dem intellektualistischen Menschenbild des Rationalismus
- auf phil. Ebene wird Sensualismus durch die Einführung der Ästhetik als phil. Disziplin gefördert (Alexander Gottlieb Baumgarten, 1714-62)
- Sensualismus gehört seit Mitte des Jhd. zu den wichtigsten Ausdrucksformen, mit denen man Subjektivität jenseits rationalistische Dogmen darstellen und ausdrücken kann
- Heine / Wieland: sensualistisch – erotische Akzente

- sensualistische Perspektive; vor allem Subjektivität des Menschen als Sinnlichkeit/äußere Sensation
-Empfindsamkeit; Gefühl und innere Empfindung des Menschen stehen im Mittelpunkt (>Ausdruck des bürgerlichen Selbstverständnisses, S. 35)
>>>sowohl Empfindsamkeit, als auch Anakreontik sind Ausdruck eines Kompensationsgefühls!
(Subjektivität wird in der gesellschaftlichen Praxis mehr oder weniger ausgeschlossen, deswegen wird die Innerlichkeit des Gefühls kultiviert und die Überlegenheit besagter Praxis wird zelebriert, !bürgerliches Trauerspiel und empfindsamer Roman sind literarische Konsequenzen dieses Selbstverständnisses! )

- Verdienst der Empfindsamkeit: hat Vokabular und literarische Formen bereit gestellt, in denen sich Emotionen und in ihnen eine gefühlsmäßige Selbstreflexion des Subjekts sprachlich artikulieren können
- Repräsentanten: Christian Fürchtegott Gellert (1715-69), Leipziger Professor für Beredsamkeit und ein Lehrer Goethes, sah Briefkultur als besonders privilegierte Ausdrucksform der empfindsamen Subjektivität –
Sophie von La Roche (1731-1807), Empfindsamkeit unterstützte Emanzipation der Frau, da sie die Frau besonders als Leserin förderte

- Gegenposition zu dem dogmatischen Rationalismus:
Johann Jakob Bodmer (1698-1783) / Johann Jakob Breitinger (1701-76), exponierten sich in den 40/50 Jahren im „Literaturstreit“ als Verfechter des Wunderbaren, des Erhaben und des „Neuen“ in der Poesie, gegen Gottscheid, gaben vielen jungen Dichtern „Zeichen zum Aufbruch aus den engen Grenzen der rationalistischen Poetik“
- Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803): Der Messias, 1751
> Literatur bekommt einen quasireligiösen Wert, der sie über die nüchternen Gedankenketten der Philosophie hinaus hebt
- aber: Gottsched war zwar Traditionalist, sorgte aber mit seiner Übersetzung von Pierre Bayles „Dictionnaire philosophiqze et critique“ (1697) 1732 dafür, dass der Standard aufklärerischer Bibel – und Kirchenkritik in Deutschland bekannt wurde

- Gotthold Ephraim Lessing (1729-81): sieht Suche nach der Wahrheit als einen unabschließbaren Prozess, der methodisch abgesichert werden muss, aber niemals zum Besitz der Wahrheit führen kann
- Nathan der Weise als Höhepunkt der deutschen Aufklärungsliteratur
- Literatur kommt endlich eine Erkenntnisleistung zu, die von anderen Formen des Wissens nicht in Anspruch genommen werden kann


„Grundlagen“ – Aspekte der Sozial – und Ideengeschichte des 18. Jhd. (S. 47 - 65 )Bearbeiten

  • Bürgertum im 18. Jhd. bildete sich aus und reagierte auf die politische Herrschaft des aufgeklärten Absolutismus, führte zu pol. und publizistischen Auseinandersetzungen
  • später vollzog sich eine "Modernisierung von oben", die sich zwar um das (vermeintliche) Wohl der Untertanten sorgte, sich aber um deren Meinung wenig kümmerte, man drängte ihnen vielmehr gegen ihren Willen Veränderungen auf
  • aber: ging den Herrschern dann um eine Vermehrung der Bevölkerung, um eine Ankurbelung der wirtsch. Aktivitäten, um eine Verbesserung der Bildung

>>> Schicht von Kaufleuten, Beamten und Industriellen musste unter den Bürgern gestärkt werden, das führte zu mehr Selbstbewusstsein und die Bürger sahen sich berechtigt, am pol. Willensbildungsprozess teilzuhaben

"Die Aufklärer selbst sahen sich als eine intellektuelle Elite an, die bis zur erfolgreichen Aufklärung aller Volksschichten gleichsam als geistiger Vormund fungieren musste." (S.49)

  • Kritik äußerte sich zunächst im Privaten, nicht als politische, sondern indirekt und von außen als moralische Kritk an der unmoralischen Welt der Höfe und der staatlichen Verwaltung

>>> moralische Wochenschriften

  • englisches Vorbild, 1717 - 1770 in großer Zahl erschienen, meist kurzlebige Titel und hohe Auflagen (Verfasser z.B. Gottsched, Bodmer und Breitinger)
  • Insgesamt wurde auf verschiedenen Ebenen (Zeitschriften, Kaffeehäuser, Salons, Akademien, Lesegesellschaften) versucht, durch institutionalisierte Publikations - und Diskussionsprozesse eine Öffentlichkeit herzustellen und den Prozess der Aufklärung so voranzutreiben (als Prozess der Herausbildung eines "räsonierten Publikums")

--> relative Wirksamkeit dieser Art von Öffentlichkeit wurde schon allein durch die intensive Arbeit der Zensurbehörde unterstrichen, die in allen Staaten des Deutschen Reiches tätig war und die Freiheit der öffentl. Diskussionen stark behinderten!

  • 18. Jhd. bringt auch Entwicklung eines literarischen Marktes
  • in den 1760er Jahren setzte Massenproduktion von Büchern, literarischen Journalen und Kleeinschriften ein
  • Aufteilung in "hohe" und "niedere" Literatur wurde denkbar, aber: Teilung des Publikums machte Aufklärung fragwürdig, die ja eine moralische, aber auch allgemeine "bewusstseinmäßige" Besserung des Menschen bewirken sollte


  • erst später, bei Lessing und Wieland, wird Literatur zu einem speziellen Träger des Selbstdenkens, einer Reflexion, die scheinbar geltende Sätze, Normen und Werte kritisch überprüft


  • Gottfried Wilhelm Leibniz (1664 - 1716); einflussreichster Philosoph des Aufklärungszeitalters
  • deutsche Frühaufklärer Christian Thomasius (1655-1728), Professor in Halle und Leipzig, Begründer und Anreger des pragmatischen Denkens der Aufklärung, hielt erste Universitätsvorlesung in deutscher Sprache!
  • appellierte an gesunden Menschenverstand und wollte Zuhörer zum selbst denken anregen


  • Christian Wolff (1679-1754): machte Philosophie von Theologie unabhängig und verteidigte den Anspruch, rein von Gesetzen der Vernunft her zu argumentieren
  • Aestetica (1750 - 58), Alexander Gottlieb Baumgarten (1714-62) = wichtiger Einfluss auf Literatur und Peotik


  • Gottsched: Literatur liefert nur anschauliche Bestätigungen für wahre Vernunftsätze
  • jetzt wurde Gedanke möglich, dass Literatur eigene Wahrheiten auszusprechen vermochte, die Philosophie und Wissenschaft nicht zugänglich waren!
  • Geschichte der deutschen Aufklärungsliteratur muss im Zusammenhang mit den Einflüssen aus Frankreich und England gesehen werden (Vorbildcharakter, S. 62)
  • Voltaire (Kritik am Aberglauben und am Machtmissbrauch der christlichen Kirche) - Denis Diderot (Theoretiker und Praktiker eines bürgerlich- rührenden Theaterr, durch Umsetzung Lessings bekannt) - Jean - Jaques Rousseau (Naturverständnis)
  • deutsche Öffentlichkeit blickte gebannt nach Paris und verfolgte mit Engagement, Skepsis und Sorge das dortige Revolutionsgeschen

>>> Briefe aus Paris (wie z.B. von Johann Heinrich Campe) wurden zu einer wichtigen Textsorte der Spätaufklärung!

  • mit Aufklärung beginnt eine intensive Shakespeare Rezeption (von Wieland übersetzt)
  • so großer Einfluss, dass Lessing "Miß Sara Sampson" sogar in England spielen lässt

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