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Lexikographie und Gesellschaft I: Wörterbücher und ÖffentlichkeitBearbeiten

Die gesellschaftlichen Aufgaben der Lexikographie in der Geschichte und GegenwartBearbeiten

Einführung

  • in Europa: Förderung der Lexikographie = Aufgabe von hohem gesellschaftlichem Rang
  • Bedarf an Lexikographie hat 2 Ausgangspunkte
  1. Gesellschaft
  2. Wörterbücher
  • Gesellschaft: treibende Kräfte, um Lexikographie entstehen zu lassen (z.B. Religion, Dichtung)
  • Konstanten in der Funktion der Wörterbücher (individuell oder gesellschaftlich determiniert), z.B. Befriedigung von Nachschlagebedürfnissen des Einzelnen und Dokumentationswunsch des Kollektivs

Die treibenden gesellschaftlichen Kräfte

  • seit mehr als 4000 Jahren Lexikographie --> Reihe treibender gesellschaftlicher Kräfte, die Anfertigen von Wörterbüchern begünstigen
  1. Religion
  2. Dichtung
  3. Bildungswesen
  4. Politik
  5. Wirtschaft
  6. Sprachplanung
  7. Sprachwissenschaft
  • Reihenfolge spiegelt keine generelle Gewichtung wider, da Einfluss der verschiedenen Faktoren variieren von Epoche zu Epoche
  • auf Wörterbuchseite zu unterscheiden: Ein-und Zweisprachige Wörterbücher

Religion

  • seit dem 2.Jhd. vor Christus stärkster Auslöser von Lexikographie
  • Lexikographie = religiöse Aufgabe der Priester
  • Reinheit der heiligen Texte soll trotz Sprachwandel erhalten bleiben --> Bedarf an Erläuterungen von veralteten und mehrdeutigen Begriffen
  • Sachwörterbücher = lexikalische Widerspiegelung der göttlichen Weltordnung
  • Einfluss der Religion im Abendland: Reformationszeit --> Zusammenwirken von religiösen Motiven mit humanistisch-wissenschaftlichen und kulturpatriotistischen
  • aber: Gegenreformation bringt große Anzahl von "Gegen-Wörterbüchern" hervor
  • seit dem 16.Jhd.: Praxis der Religionsverbereitung (Missionare) --> zwei-oder mehrsprachige Wörterbücher nötig, um weltumspannend arbeiten zu können
  • viele Wörterbücher durch linguistische Laien erstellt

Dichtung

  • benötigt Wörterbücher zum Einen zur Rezeption und zum Anderen zur Produktion
  • rezeptiv: Wandel der Sprache macht Textstellen schwer verständlich --> Vorgehen:
  1. unverstandene Stellen werden in der Reihenfolge ihres Vorkommens erläutert (glossiert)
  2. Glossen werden systematisch oder alphabetisch zu Textglossaren zusammengefasst
  3. textübergreifende Zusammenfassung mündet in Wörterbüchern
  • produktiv: belletristische Autoren benötigen poetische Hilfswörterbücher --> stellen ausgesuchtes, lexikalisches Material bereit
  • Hilfswörterbücher sind nach Sachgruppen oder in Reimordnung geordnet
  • bis ins 19.Jhd.: bedeutende Wörterbücher Reimwörterbücher oder Reimlexika (v.a. in China, Indien, Arabische Welt)

Bildungswesen

  • orientalische Tradition des Lesens durch Auswendiglernen (deswegen Reimwörterbücher, keine Referenzwörterbücher)
  • in Versen verfasst --> einfacher zu Lernen
  • Bildung steht oft in engem Zusammenhang mit Religion und Dichtung (da Schulen religiöse oder dichterische Schulen)
  • griechisches Bildungswesen: Homerglossase & Glossensammlungen zu Gesetzestexten
  • im römischen Reich: puristische und zweisprachige Wörterbücher und Handbücher mit Latein --> Existenz einer verbreiteten Bildungssprache
  • expansive Entwicklung der Wörterbücher im Bildungszweig durch Einführung der allgemeinen Schulpflicht in Europa und Japan, sowie der staatlichen Anordnung zum Erstellen von Wörterbüchern
  • Aber: Deutsches Schulwesen stützt sich nie in den letzten 100 Jahren auf ein allgemeines einsprachiges Schulwörterbuch!

Staatliche Organisation und Politik

  • vor mehr als 4000 Jahren: Wortlisten auf Tontafeln für Staatsverwaltung
  • Schriftlichkeit und Wörterbuchnutzung = Monopol der gebildeten Bürokratie
  • Bildung und Verwaltung weitgehend identisch
  • Synonymwörterbücher --> vierte, große Textproduktion
  • staatliche Politik = Mutter der Lexikographie
  1. nach außen: zweisprachige Wörterbücher zur Unterstützung der Diplomatie (v.a. im Krieg: intensive Sprachkontakte ohne Wörterbücher nicht zu bewältigen); aber auch: Kolonialisierung oder heutige Entwicklungshilfe
  2. nach innen: v.a. ideologische Strömungen --> in Europa seit dem 16.Jhd.: Ausarbeitung nationalsprachlicher Wörterbücher; mit dem 19.Jhd.: Ära der thesaurierenden Wörterbücher
  3. in Deutschland: Vielzahl von verdeutschenden Fremdwörterbüchern
  4. heutzutage: sprachlich begründeter Regionalismus (z.B. in Spanien)
  • in der Sowjetunion: offener ideologischer Eingriff in die Lexikographie --> Wörterbücher wurden eingestellt wegen "politischer Fehler"; Marxistisch-leninistische Weltanschauung sollte in Wörterbücher Einzug erhalten

Wirtschaft/Handel/Tourismus

  • Außenhandel und Tourismus --> Schaffung von Sprachkontakten und Kommunikationsproblemen
  • Hilfe von Dolmetschern benötigt bzw. zweisprachige Wörterbücher um diese Problem zu bewältigen
  • durch zunehmenden Tourismus: in Deutschland großer Verlag für zweisprachige Wörterbücher
  • weiterer Wirtschaftsfaktor: seit 1960ern Migration der Arbeitskräfte
  • stark ausgeweitete zwei-und mehrsprachige Fachlexikographie
  • parallel terminologisch orientierte Lexikographie
  • technologischer Fortschritt/Transfer --> Zunahme der Fremdsprachen + Explosion der Fachsprachenwörterbücher mit praktischem Nutzen auch für kleinste Industriebetriebe
  • Fülle von Sprachpaaren
  • Prinzip der nationalen Fachsprache muss auf Einzelsprachen übertragen werden
  • dazu nötig: staatlich normative Eingriffe und planvolle Terminologiearbeit => Folge: Stattliche terminologische Wörterbücher

Sprachplanung und Sprachpflege

  • wichtigste offizielle und staatliche Sprachplanung = Standardisierung und Stabilisierung von Schriftsprachen => ohne verschiedene Wörterbücher nicht möglich
  • Sprachnormierung benötigt normatives Vorbild in Form eines Wörterbuchs
  • Schriftsprache wird zum staatlichen Medium erhoben --> zuerst ein Wörterbuch nötig (gilt auch für Sprachreformen!)
  • Aber: ideologisch bedingte blinde Flecken können in der Lexikographie entstehen
  • staatlich verordneter Purismus (auch religiös oder national motiviert) wirkt stets auf Lexikographie ein
  • weitverbreitete lexikographische Reflexe der gesellschaftlichen Tabuzonen:
  1. Fremdsprachenpurismus (Ausscheiden/Negieren des Fremden)
  2. Varietätenpurismus (Ausscheiden des Niedrigen)
  • Prinzip des Erhebens der Sprachkultur + Einsichten der kulturell führenden Schicht fördert Kluft zwischen tatsächlicher Sprache und Sprache des Wörterbuchs

Sprachwissenschaft

  • zahlreiche Wörterbücher entspringen sprachwissenschaftlicher Forschungsfreiheit --> "Luxusgut" für die kulturell Wohlhabenden
  • im deutschen Sprachraum im 20.Jhd.: riesige Wörterbücher der franz. und it. Etymologien unter Einsatz hoher Geldsummen (jedoch: sind Extremfälle)
  • oft auch wissenschaftliche Lexikographie relativ direkt gesellschaftlich motiviert, v.a. bei Lexikographie, die im Dienst der nationalstaatlichen Idee stand
  • Erzeugung von Kulturstolz und Erwerb von internationalem Prestige
  • Gefahr: Gesellschaft denkt nicht wissenschaftlich genug oder aber Lexikographie entfernt sich zu sehr von der Gesellschaft

Die Funktion der Wörterbücher

Gebrauchslexikographie und Dokumentationslexikographie

  • Begriff der Gesellschaft zu unterscheiden in:
  1. Gesellschaft als Summe der Individuen
  2. Gesellschaft als Kollektiv
  • Wörterbücher erfüllen
  1. punktuelles Informationsbedürfnis der Individuen (Gebrauchslexikographie)
  2. nationale, staatliche, politische, administrative oder wissenschaftliche Dokumentationswünsche
  • beide Aufgaben jedoch nicht immer scharf zu trennen, da
  1. Individuum immer gesellschaftlich geprägt ist
  2. Interessen von Individuum und Kollektiv zusammenfallen können
  3. kollektiv motivierte Wörterbücher können individual genutzt werden
  4. Kollektiv kann individuelle Bedürfnisse annehmen
  • unmittelbarstes Informationsbedürfnis ergibt sich aus Begegnung mit dem Schwierigen (dem Fremden sprachlicher und sachlicher Natur)
  • Problem der Fremdheit zeigt sich in rezeptiven Zusammenhängen, nur in zweiter Linie in produktiver Verwendung
  • Seite des sprachlich Fremden: Skala der abnehmenden Fremdheit (Alain Rey, 1970) Oberbegriff: Nicht-homologe Informationssprache aufgeteilt in:
  1. heteroglosse zweisprachiger Wörterbücher
  2. homoglosse Wörterbücher der Subsysteme einer Sprache (z.B. Dialekte)
  • Liste der Fremdheit:
  1. Fremdsprache
  2. Fremdwörter
  3. Dialektwörter
  4. Fachwörter
  5. alte Wörter
  6. neue Wörter
  7. Wörter des Substandards
  8. seltene Wörter
  9. undurchsichtige Wörter und Wendungen
  10. Wörter zweifelhafter Korrektheit
  11. Wörter zweifelhafter Identität (Homonyme/Paronyme)
  12. Wörter zweifelhafter Etymologie
  • Seite der sachlichen Informationsebene: Liste des Nachschlagwürdigen in verschiedensten Zugangsformen
  • Folgende Sprachwörter, Enzyklopädien und Fachlexikon:
  1. Telefonbuch
  2. Verzeichnis der Postleitzahlen
  3. Kursbuch
  4. Warenkatalog
  5. Tabellenwerke
  6. Briefmarkenkatalog
  7. Atlanten
  8. Führer
  9. Kulturfahrplaner usw.
  • aus Sicht der individuellen Bedürfnisse: Trennung von sprachlichen und sachlichen Nachschlagewerken
  • durch Arbeitsteilung eine unaufhörliche Vermischung der Informationsarten
  • Dokumentationslexikographie => Museen bewahren "Sprachschätze"
  • befriedigen den Sammeltrieb der Gesellschaft

Lexikographie der Fremdsprache

  • in Gesellschaften mit regen Sprachkontakten: lexikographische Erarbeitung der Fremdsprachen als elementare Aufgabe
  • dabei gilt das Gesetz der Lastenverteilung => bei kulturellem, demographischem oder politischem Ungleichgewicht zweier Sprachen: Last der Lexikographie fällt dem schwächeren Partner zu
  • früheste zweisprachigen alphabetischen Wörterbücher in Europa:
  1. 1499 bretonisch-französisches Wörterbuch
  2. 1547 walisisch-englisches Wörterbuch
  3. 1557 französisch-flämisches Wörterbuch
  • Einseitigkeit der Lastenverteilung haben schwere Karenzen zur Folge --> Lexikographie soll nicht gänzlich den freien Kräften des Marktes überlassen werden
  • Zweisprachige Wörterbücher: Gesetz der Monodirektionalität => d.h. ein zweisprachiges Wörterbuch kann i.d.R. nicht für beide beteiligte Sprachen gleich gut sein
  • jeder Partner eines Sprachpaares muss sich selbst um zweisprachige Lexikographie sorgen
  • zweisprachige Wörterbücher (auch monodirektionale) können nicht ohne Mitarbeit von Vertretern der Partnersprache erstellt werden
  • weitere historische Karenz --> zweisprachige Lexikographie anfällig für Hilfskonstruktionen
  • Verfahren der Weiterübersetzung in der Lexikographie seit dem 16.Jhd. von großer Produktivität
  • Aber: hohe Produktivität sichert nicht Qualität!
  • Zielsprache des zweisprachigen Wörterbuchs geht die Analyse der Anfangssprache voraus
  • Wörterbücher benötigen sprachpolitische Pflege und Unterstützung
  • Realisierung weiterer zweisprachiger Wörterbücher wünschenswert

Fremdheit im Staat und in der Sprachgemeinschaft

  • Fremdsprachen fordern v.a. dann zweisprachige Wörterbücher, wenn innerhalb einer Staatsgrenze zwei/mehrere Sprachen auftreten
  • ähnliche Situation: Dialekte innerhalb einer Sprachgemeinschaft
  • schon seit Christi Geburt: Notwendigkeit der interdialektalen Kommunikation
  • Lehnwörter mussten in Wörterbücher eingebaut werden, sofern nicht ideologische Gründe dagegen sprachen
  • schon urälteste Lexikographie systematische bzw. alphabetische Auflistung von Fachwortschatz/Nomenklaturen, d.h. terminologisch peripheres Material (zu diesem lassen sich auch etymologische Fremdwörter zählen)

Von der Lexikographie des Fremden zur Lexikographie des Vertrauten: die europäische Entwicklung bis ins 18. Jahrhundert

  • Hilfswörterbuch/Auskunfswörterbuch primär
  • Kennzeichen der Reinform des Hilfswörterbuchs: alltäglicher Wortschatz ist nicht lexikographiert bzw. wird nachlässig behandelt
  • Entstehung des Wörterbuchs des alltäglichen Wortschatzes in 2 Teilen
  1. Anstoß zu solchen Büchern nicht durch das unmittelbare Nachschlagbedürfnis der Allgemeinheit
  2. Ursprung im geistesgeschichtlichen Phänomen der Renaissance (aber nicht gänzlich von der mittelalterlichen Lexikographie zu trennen!)
  • neusprachlich-lateinische Lexikographie in Europa ab dem 14.Jhd. (Indices zu den lateinisch-neusprachlichen Glossaren) --> löst sich aber im 15.Jhd. von dieser Abhängigkeit und es kommen eigenständige Werke heraus
  • 1531: Dictionarium = thesaurierendes, zitierendes, kontextreiches lateinisches Wörterbüch, dass zum Ausgangspunkt der europäischen Lexikographie wird
  • zunehmende Kommentierung des ausgangssprachlichen Materials + Anreicherung aus der Sprachrealität den Typ des einsprach-zweisprachigen Zwittergebildes
  • weiterer Typ Renaissance-Wörterbuch: Etymologische Wörterbücher
  • beziehen Sachinformationen mit ein, sind überwiegend einsprachig
  • weitere Versuche früherer einsprachiger Wörterbücher können als gescheitert angesehen werden --> konnten den Status eines Gebrauchswörterbuchs nicht erfüllen --> "abgestorbene Richtungen der Lexikographie"
  • italienische Lexikographie: Typ des moderenen, einsprachigen alphabetischen Wörterbuchs bereits im 16.Jhd.
  • künftige Maßstäbe der Lexikographie:
  1. Dokumentation des Kernbestandes der Sprache
  2. Definition aller Einträge
  3. Authentifizierung der Wörter durch Zitate
  • nicht in erster Linie Nachschlagewerke, sondern Werke zur lexikographischen Herausstellung der Vollkommenheit der (italienischen) Sprache
  • Stichwörter: Kulturstolz, Denkmalpflege, Sprachpolitik
  • 1640: Fruchtbringende Gesellschaft in Deutschland --> Serie von Wörterbuchprogrammen, aber: Realisierung kam nicht ins Rollen
  • Frankreich: Furetiére --> neue Wörterbuchtradition = "enzyklopädisches Wörterbuch"
  • 1694: Wörterbuch der franz. Akademie --> Banalität des Alltagswortschatzes wird behandelt = Paradigma der Dokumentation des Üblichen wird zum ersten Mal erfüllt
  • erster Versuch eines einsprachigen, dt. Wörterbuchs: Adelung - Versuch eines vollständigen grammatisch-kritischen Wörterbuches (1774-1786)
  • im 18.Jhd.: Aufkommende Tradition des normativ kommentierenden grammatischen Wörterbuchs
  • banaler Wortschatz ist gerade für Ausländer wichtig
  • Einheitswörterbuch der Alltagssprache = Forderung absolutisitscher Politik
  • Gründe für die Verzögerung solcher Wörterbücher Deutschland:
  1. kulturelle und politische Schwächen
  • Einheitswörterbuch für gesellschaftlichen Zusammenhalt einer Nation unersätzlich
  • Nachschlagelexikographie kommt ohne den vertrauten Wortschatz aus

Sachlexika und nationale Wortschatzdokumentation seit dem 19.Jahrhundert

  • Verbindung von zentralem und peripherem Wortschatz (von Sprach-und Sprachwissen) wird bereichert durch Eigennamen und weitere Sachlexikographie --> führender Wörterbuchtyp des industriellen Zeitalters
  • Wöter und Sachen haben gleichen Rang
  • von Frankreich aus: Formel des enzyklopädischen Wörterbuchs in die komplette romanische Sprachenwelt übergegangen
  • Aber: im deutschsprachigen Raum nicht --> hier war das Konversationslexikon entstanden
  • Konversationslexikon = Verbindung von sachenenzyklopädischer, personenenzyklopädischer und Schwerwortlexikographie; ihm fehlt jedoch die Lexikographie des Wortschatzzentrums
  • neben Konversationslexikon und enzyklopädischem Wörterbuch:nationale Wörterbücher mit historischer Tiefe auf Basis des Thesaurusgedanken
  • Gesellschaftlich wirksam nur einbändige Ausgaben --> Kürzungen der monumentalen Werken auf einen Band, meist unter Vernachlässigung der Zitate/Belege
  • Grimmsches Wörterbuch gilt als gescheitert, da nie in breiter Gesellschaft genutzt
  • Duden Deutsches Universalwörterbuch = Gebrauchswörterbuch von internationalem Rang (1983)

Konflikte zwischen Lexikographie und Gesellschaft und die Rolle der Wörterbuchforschung

  • Wörterbücher haben kulturpädagogische Rolle (Sprachwörterbücher wie auch Sachlexika)
  • Wörterbücher setzen die Arbeit von Schule/Hochschule fort bzw. ergänzen oder ersetzen diese auch
  • Benutzung von Wörterbüchern = Ambivalent, da:
  1. die Nutzung als Bildungsdefizit des Menschen angesehen werden kann
  2. oder aber als Indiz für aufgeklärten, selbstbewussten Umgang mit der Sprache gesehen werden kann.
  • entscheidend: Nachschlagehandlungen mit erfolgreichem Ablauf --> nur möglich, wenn Gesellschaft und Lexikographie dieselbe Sprache sprechen
  • Harmonie zwischen Lexikographie und Gesellschaft ständig gefährdet, da Lexikographie zur Professionalisierung neigt --> laienhafte Benutzer müssen professionalisiertes Instrument verstehen
  • 2 zentrale Begriffe:
  1. Benutzerfreundlichkeit (Anpassung der Lexikographie an die Gesellschaft)
  2. Wörterbuchkultur (Anpassung der Gesellschaft an die Lexikographie)
  • stärker: die Gesellschaft (wegen finanziellem Aspekt --> Umsatz)
  • Wörterbücher müssen sich an Niveau der Wörterbuchkultur orientieren --> Verlage können es sich nicht leisten, das Publikum mit ihren Büchern zu überfordern
  • Aufgabe der Schule: muss erfolgreiche Wörterbuchnutzung an die Schüler vermitteln
  • oder: Publikum muss direkt angesprochen weden --> Aufklärungskampagnen, Publikationen o.ä., um Arbeit mit Wörterbüchern zu vermitteln
  • Folge: bessere Wörterbücher werden erstellt, in der Erwartung, dass das Publikum von selbst erlernt, wie es damit umgehen kann ==> Aufgabe der staatlichen Gebrauchslexikographie
  • Wörterbücher müssen staatlich gefördert werden, wenn sie rein wissenschaftlichen Hintergrund haben
  • Gefahren der staatlichen Gebrauchslexikographie:
  1. Ohne Druck der Rentabilität für Verlage/Wissenschaftler --> Unternehmungen werden womöglich zu perfekt, dauern zu lange in ihrer Erstellung
  2. Abkoppelung von der Gesellschaft
  • marktwirtschaftliche Lexikographie neigt zu übertriebener Anpassung ans Publikum
  • deswegen: wirksame Kontrollmechanismen müssen gesetzt werden
  • Gesellschaftliche Rolle der Wörterbuchforschung:
  1. universitäte Wörterbuchforschung berät Verlagslexikographie kritisch
  2. versorgt das Publikum mit verständlich formulierter Information über Wörterbücher
  3. Brandmarken evtl. Wörterbuchkriminalitäten
  4. Schlüsselrolle beim möglichen lexikographischen Aufklärungsprozess

Aufgaben der Zukunft

  • von Land zu Land unterschiedlich
  • Weltweit jedoch folgende Tendenzen:
  1. nie endende, wachsende Aufgabe der Lexikographie aus Last der Geschichte, d.h. wegen des Sprachwandels müssen alte Kulturgüter neu erschlossen werden
  2. Kommunikationsproblem der fachsprachlichen Zersplitterung --> "interdisziplinäre Wörterbücher" sollen Laien in die Lage versetzen, sich fachlich zu informieren bzw. Fachleuten es ermöglichen, Laien den Sachverhalt einfach klar zu machen
  3. Lexikographische Entwicklungsländer haben Recht aus Wörterbücher --> Sprachen müssen erschlossen werden
  4. Weltsprachen müssen neue Sprachen (Afrikanische, Asiatische) erschließen und neu bearbeiten
  5. einsprachige Lernlexikographie für Ausländer muss vertieft werden
  6. neue Möglichkeiten am Computer für Lexikographie müssen richtig eingeschätzt werden, um auch das Wörterbuch als Printmedium zu fördern --> ob man das Printmedium ersetzen kann, ist nicht sicher zu sagen

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