FANDOM


Literatur als WahrheitssucheBearbeiten

  • Lessings Kampf gegen die dogmatische Orthodoxie in seiner Streitschrift Eine Duplik von 1778
  • Suche nach der Wahrheit
  • Aufklärung als unabschließbarer Prozess
  • Echo des Forschens und der Dauerreflexion, das nicht auf Ergebnisse aus ist
  • Suche als Selbstzweck menschlichen Sein und menschlicher Tätigkeit
  • herausragender Verfasser theoretischer, analytischer und polemischer Texte
  • formte die überlieferten literarischen Gattungsnormen um und überwand sie, um sie der jeweiligen kritischen Intention dienstbar zu machen
  • literarische Aufklärung als Wahrheitssuche zeigt die Vielschichtigkeit menschlichen Handelns und Wertens
  • in Lessings Dramen erweist sich das Dialogische als adäquate Form der Darstellung, durch welche die Wahrheitssuche in dramatische Handlung umgeformt wird
  • Lessing kämpfte stehts um Toleranz und Menschenwürde
  • Toleranz und Achtung vor der anderen Meinung als aufklärerische Werte, die im 18. Jh. im Kampf gegen die Macht, die sich auch in der Form des aufgeklärten Absolutismus nicht vorschreiben lassen wollte, wen oder was sie zu tolerieren hatte
  • Herrschaftswissen soll einer potentiell demokratischen Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden
  • auch in Bezug auf den theologischen Gegenstand die Suche nach der Wahrheit so organisieren, dass das Publikum zur kritischen Überprüfung und zum Selbstdenken angeregt wird
  • als seine theologischen Schriften verboten werden, schreibt Lessing seinen Nathan als Fortsetzung der Polemiken

Gotthold Ephraim Lessing - BiographieBearbeiten

  • Lessings Leben war geprägt vom Kampf um die Unabhängigkeit des kritischen Denkens und den Versuch, die Wahrheitssuche ohne Beeinflussungen von außen zu betreiben
  • wurde 1729 im sächsischen Kamenz als Sohn eines selbst publizistisch aktiven Vaters geboren
  • wagte schon in der Schulzeit erste poetische Versuche (anakreontische Lieder und lehrhafte Gedichte)
  • Studium in Leipzig
  • bewegt sich in Schauspielerkreisen und "interessiert sich für die Dinge des 'Lebens' "
  • Ablehnung des Pedantischen und Hinwendung zum Komödiantischen
  • Lessings Verständnis von Aufklärung versteht nicht die Wissenschaft als Selbstzweck, sondern setzt eine Verbindung von Theorie und Praxis voraus
  • Hang zum Risiko, zum Leichtfertigen, eine Art Spielertum kennzeichnet Lessing, was sich später auch in Minna von Barnhelm äußert
  • Bereitschaft zum Bruch und zum radikalen Neuanfang als lebenspraktische Entsprechung der radikalen und unabschließbaren theoretischen Wahrheitssuche
  • sein erstes Stück Der junge Gelehrte erzielt bereits einen beachtlichen Erfolg
  • 1748 geht Lessing nach Berlin, wo er als Journalist und freier Schriftsteller tätig wird
  • ständiger Mitarbeiter der Berlinischen Privilegierten Zeitung, wo er die Beilage "Das Neueste aus dem Reiche der Witze" herausgibt
  • vor allem das Theater beschäftigt ihn, er schreibt eigene Stücke (u.a. Die Juden, Der Freigeist) und veröffentlicht die Beiträge zur Historie und Aufnahme des Theaters
  • 1752 erwirbt er seine Magisterpromotion in Medizin in Wittenberg
  • 1754 lernt er Friedrich Nikolai (1733-1811, Berliner Buchhändler) und Moses Mendelssohn (1729-86, jüdischer Schriftsteller und Philosoph) kennen, mit denen ihn eine langjährige Freundschaft verbindet
  • 1755 wird Lessings bürgerliches Trauerspiel Miß Sara Sampson in Frankfurt/Oder uraufgeführt
  • 1760 verlässt Lessing Berlin fluchtartig und geht nach Breslau als Sekretär des Grafen von Tauentziehn, da er den Eindruck hatte, trotz aller Publikationen und aller Resonanz ohne wirklichen Einfluss geblieben zu sein, aber auch, dass Friedrich II. Lessing jegliche Aufmerksamkei verweigerte
  • 1765 Rückkehr nach Berlin
  • 1766 erscheint der erste Teil des Laokoon
  • 1767 wird in Leipzig die Komödie Minna von Barnhelm uraufgeführt
  • 1767 geht Lessing nach Hamburg, wo er mit der Gründung eines Nationaltheaters verbunden ist
  • mit seiner Hamburgischen Dramaturgie begleitet Lessing diese Gründung
  • Absicht: die vom Theater aufgeführten Stücke unter allen denkbaren Aspekten zu besprechen
  • die Hamburgische Dramaturgie ist einerseits eine gewaltige Sammlung von Gelegenheitsarbeiten, andererseits eine fragmentarische Theorie des aufgeklärt-bürgerlichen Theaters
  • 1762 Uraufführung des bürgerlichen Trauerspiels Emilia Galotti in Braunschweig
  • 1774 Beginn der Veröffentlichung theologiekritischer Fragmente von Hermann Samuel Reimarus (1694-1768), die ihm dessen Kinder mit der Erlaubnis zur anonymen Herausgabe überlassen hatten
  • Veröffentlichung erfolgt in der von Lessing herausgegebenen Reihe Zur Geschichte und Literatur, aus den Schätzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel
  • 1776 Heirat mit Eva König, die 1778 jedoch im Wochenbett stirbt
  • Frühjahr 1778: heftige Angriffe des Hamburger Hauptpastors Johann Melchior Goeze (1717-1786) gegen Lessing
  • der Herzog fordert Lessing daraufhin auf, alle die Religion betreffenden Schriften zur Zensur vorzulegen
  • Lessing veröffentlicht die Freimaurergespräche Ernst und Falk und nimmt die Arbeit am Nathan wieder auf, das 1779 zur Ostermesse erscheint
  • 1780 erscheint die vollständige Fassung der Erziehung des Menschengeschlechts
  • 1781 stirbt Lessing in Braunschweig
  • "Die kritische Reflexion aller überlieferten Grundsätze und die vorurteilslose Suche nach der Wahrheit führten in einen Konflikt mit den 'realen' Mächten der absolutistisch-feudalen Gesellschaft, die sich zwar selbst durchaus auch als aufgeklärt verstanden, deren praktische Politik aber von den Interessen der Macht beherrscht wurden" (157)
  • Die Missachtung der deutschen Literatur durch Friedrich II und der Fragmentenstreit als Zeichen für die Distanz zwischen bürgerlich-kritischer Literatur und den Trägern der Macht
  • Bedeutung des Fragmentenstreits: Anspruch der Aufklärung gegen die gemeinsamen Herrschaftsinteressen von Kirche und feudalem Staat
  • Die Erziehung des Menschengeschlechts wirft die Frage auf, wie sich die Geschichte im Hinblick auf eine rationalere und gewaltfreie Ordnung des menschlichen Zusammenlebens entwicklen könnte
  • Lessing als Kämpfer und Polemiker war eher skeptisch, wenn er die Aussichten einer Kultivierung und 'Besserung' der Menschen und ihrer Lebensformen beurteilte

Lessings literarisches SchaffenBearbeiten

Der junge Gelehrte (1747)

  • 1748 von der Neuberschen Truppe uraufgeführte Komödie
  • Hinwendung zur praktischen Erfahrungswelt und Option gegen einen abstrakten Realismus
  • Schema der sächsischen Typenkomödie: Charakter, der auf die Zuschauer abschreckend wirkt und deshalb von ihnen verlacht werden soll
  • das zu Verlachende liegt in der weltfremden und auf komische Weise in sich ruhenden Haltung des jungen Gelehrten
  • auf weiten Strecken überwiegt die bloße Satire, die in geschickter Weise mit einer Hochzeitsintrige verbunden ist

Der Freigeist (1749)Bearbeiten

  • der dogmatische und bornierte Titelheld steht einem menschlichen und verständnisvollen jungen Geistlichen gegenüber
  • kritisiert wird eine Verhärtung und Fixierung des Denkens, durch die sicher Freigeist im Besitz einer unumstößlichen Wahrheit glaubt
  • Lessing schildert hier die Gefahren, die sich durch eine Dogmatisierung des aufklärerischen Denkens ergeben
  • der Freigeist ist als eine komplette Figur konzipiert, die im Stück eine Entwicklung durchmachen und sympatische Züge annehmen kann
  • "im Sinne einer psychologischen und empirischen Plausibilität werden Figuren auf die Bühne gestellt, mit denen sich der Zuschauer identifizieren kann

Die Juden (1749)Bearbeiten

  • Verwechslungskomödie
  • die allgemeinen Vorurteile gegen die Juden sollen durch die Überprüfung des konkreten Einzelfalls überprüft werden (Jude rettet Baron)
  • Plädoyer gegen das judenfeindliche Vorurteil in Verbindung mit realistischer Einschätzung der realen Gesellschaftlichen Zustände (der gerettete Baron kann dem Juden seine Tochter nicht zur Frau geben, da dies gesellschaftlich unmöglich ist)
  • Konflikte werden nicht aufgehoben

Miß Sara Sampson (1755)Bearbeiten

  • bedeutsam für die Entwicklung des Dramas
  • bürgerliches Trauerspiel
  • signifikant: das neue Trauerspiel wendet sich gegen die Ständeklausel
  • Idee: die im Drama dargestellten Konflikte allgemein menschlicher Verhaltensweisen und Probleme überschreiten jede ständische Orientierung
  • Moralisches Bewusstsein und moralisches Selbstverständnis kennzeichnen die Charaktere
  • moralischer Anspruch wendet sich gegen die unmoralische Politik
  • Fall der tugendhaften Sara Sampson, die sich in den Frauenhelden Mellefont verliebt und aus Liebe das moralische Gesetz übertritt
  • Alle tot am Ende (Sara vergiftet von Mellefonts Ex Oo)
  • das Stück entspricht auf einer ersten Ebene den Schemata der bürgerlichen Empfindsamkeit
  • das empfindsame Schema setzt eine Einheit von Gefühl und Moral voraus
  • diese Einheit wird fraglich durch den heftigen Konflikt zwischen regider Moral und dem verzeihenden Gefühl der Liebe
  • Sprechen über Gefühle als Inszenierung von Gefühlen
  • epochaler Gegensatz zwischen der empfindsamen und der sensualistischen Reaktion auf den abstrakten Rationalismus

Lessings DramentheorieBearbeiten

  • Lessing findet in seinen Texten eine literarische Form, Konflikte nicht zu verdecken und zu verdrängen, sondern zu inszenieren und somit der aufklärerischen Wahrheitssuche eine 'Bühne' zu gewähren
  • Verbindung von natürlichkeit, Emotionalität und kritischer Reflexion
  • Lessing stand für eine theoretische Bestimmung, die sich aus empfindsamen und moralisierenden Impulsen ergab
  • Mitleid sollte der gesuchte Affekt sein, der zur moralischen Besserung des Zuschauers führt: "Wer uns also mitleidig macht, macht uns besser und tugendhafter, und das Trauerspiel, das jenes tut, tut auch dieses, oder - es tut jenes, um dieses tun zu können" (Lessing)
  • Mitleiden als Affekt, der selbst eine Veränderung zu bewirken vermag
  • Moses Mendelssohn Beitrag dazu: Mitleid als eine 'gemischte Empfindung', die sowohl Lust als auch Unlust vermittelt
  • damit lässt sich erklären, wie die affektive Wirkung des Theaters Erkenntnis und Reflexion nicht ausschließt, sondern sogar fördert
  • damit der Zuschauer mitleiden kann, muss es sich bei den Figuren des Trauerspiels um gemischte Charaktere handeln, mit denen sich der Zuschauer identifizieren kann, die "mit uns aus gleichem Schrot und Korn" sind (Lessing)
  • es dürfen also weder moralisch fehlerlose, noch absolut böse Figuren als Protagonisten auftreten
  • Furcht und Mitleid nicht als Affekte, die nur das Ziel haben, den Zuschauer für die Handlung einzunehmen
  • Reinigung durch Furcht und Mitleid, welche die eigentlich Katharsis darstellt, als entscheidender Vorgang, der die Wirkung des Trauerspiels erklärt
  • "Verwandlung der Leidenschaften in tugendhafte Fertigkeiten" Lessing
  • "Indem die Katharsis den Menschen zum tugendhaften Handeln anleitet, kann das Bühnengeschehen als eine Art moralisch begründeter Theodizee (Rechtfertigung Gottes angesichts der Übel der Welt) verstanden werden" (166)
  • Lessing hielt den "gesunden Verstand" für die Voraussetzung eines kompetenten Urteils über Bühnenstücke

Emilia Galotti (1772)Bearbeiten

  • Uraufführung im Herzoglichen Opernhaus in Braunschweig 1772

Der FragmentenstreitBearbeiten

  • Lessings Spätwerk ist bestimmt durch die Spannungen, die sich aus dem Fragmentenstreit und der Auseinandersetzung mit der vom Hamburger Hauptpastor Goeze vertretenden Orthodoxie ergeben
  • Lessings Aufklärungsverständnis, das eine unvoreingenommene Prüfung aller Gegenstände und eben auch der heiligen Schriften des Christentums erlaubte und fordert, führte in einen unversöhnlichen Gegensatz zu der dogmatischen Voraussetzung der orthodoxen Haltung, die jede kritische Beschäftigung mit der Bibel als Angriff auf die Religion interpretierte
  • Lessing ging es immer darum, die Freiheit des menschlichen Denkens auch in Fragen der Religion zu befördern
  • beim Fragmentenstreit ging es um eine exemplarische Auseinandersetzung, bei der die Grundanliegen der Aufklärung auf dem Spiel standen
  • Lessing kämpfte darum, im Hinblick auf die religiös-theologische Problematik eine Öffentlichkeit herzustellen und diese als Instanz zu konstruieren, vor welcher der Kampf der divergierenden Meinungen ausgetragen werden konnte
  • Goeze kritisiert dabei vor allem, dass Lessing seine Schriften in deutscher Sprache verfasste, sodass sie allen zugänglich waren, und nicht in lateinischer Sprache, die den "Gegenstand als exklusiven Besitz des Gelehrtenstandes bewahrt"
  • These, dass dem theologischen Streit eine grundlegende Bedeutung für den Gesamtprozess der Aufklärung zukommt
  • Goeze: ist die Infragestellung der religiös-theologischen Autoritäten nur der Vorbote einer revolutionären Wendung gegen die weltliche Obrigkeit?
  • Goeze argumentiert auch immer als wissenschaftlicher Theologe und will seine Leser davon überzeugen, dass Lessings Einlassungen nicht nur gegen die Lehrsätze von Religion und Kirche gerichtet sind, sondern auch gegen die Sätz der allgemein anerkannten formalen und angewandten Logik verstoßen
  • Goeze erscheint Lessings Vorgehen, das sich nicht um Bestätigung vermeintlich unbezweifelbarer Wahrheiten, sondern um die vorurteilsfreie Prüfung vermeintlicher Gewissheiten bemüht, als Anmaßung, da Lessing sich in Fragen einmischt, die ihn nichts angehen und er nur Schaden anrichten kann
  • Goeze diskriminiert seinen Gegner als 'ungesund'
  • die "Theater-Logik" wird von Goeze als die wirksamste Methode angesehen, den Dogmatismus und die Borniertheit der autoritären Diskurse zu durchbrechen
  • Nachdem Lessing die Fortsetzung die Auseinandersetzung mit Goeze verboten wird, will Lessing eben diese Auseinandersetzung auf der Bühne fortführen

Nathan der WeiseBearbeiten

  • "Vermächtnis" Lessings
  • es geht um religiöse Toleranz und um ein pragmatisches Handeln, das im Namen der verschiedenen Religionen menschlich genannt werden kann
  • es wird verdeutlicht, dass sich "Toleranz und Menschenfreundlichkeit nur vor dem Hintergrund eines geschichtlichen Prozesses und einer durch inhumane Machtstrukturen gekennzeichneten Ordnung entwickeln können" (180)
  • der christliche Dogmatismus wird nicht nur zum mörderischen Antisemitismus; er zeigt auch (in Analogie zu den Äußerungen Goezes) den Zusammenhang zwischen religiöser und politischer Repression
  • Gegen diese Welte der unmenschlichen, institutionelle abgesichterten Konzentration von Macht setzt das Stück zwei geradezu anarchistisch, den Einrichtungen der Gesellschaft skeptisch gegenüberstehende Außenseiter: den einfältigen Klosterbruder und der bescheidene, anspruchslose Derwisch Al Hafi
  • macht und Herrschaft verbinden sich viel zu häfig mit Intoleranz und Unterdrückung und Aufklärung behindern oder gänzlich unterbinden
  • Märchenschluss, der aber nicht 'realistisch' ist
  • stattdessen kann der Zuschauer die Chance einer humanen Veränderung der Machtpolitik skeptisch einschätzen
  • Lessing beurteilte die Chancen für eine Durchsetzung der religiösen Toleranz und einer gesellschaftlichen Anerkennung der Juden äußerst skeptisch
Die RingparabelBearbeiten
  • Berühmtester Teil im Nathan
  • Nathan antwortet mit der Ringparabel auf die Frage des Sultans nach der wahren Religion, die den jüdischen Kaufmann in Verlegenheit bringt
  • Element des Epischen Theaters zeigt den lehrhaften Aspekt im Drama
  • Geschichte des Vaters, der seinen drei Söhnen drei völlig gleich aussehende Ringe hinterlässt
  • dem echten Ring wird die Eigenschaft zugeschrieben, seine Träger "beliebt zu machen,/Vor Gott und Menschen angenehm"
  • der Wettstreit um die Frage, wer denn nur den echten Ring besitzt, führt zu dem Bemühen, besonders gut zu handeln
  • "In Bezug auf die drei konkurrierenden Religionen heißt das: Deren Vertreter sollen nicht dogmatisch und intolerant einen abstrakten Wahrheitsanspruch verteidigen, sondern durch ihre Praxis die 'Güte' ihres jeweiligen Glaubens demonstrieren" (183)
  • Der weiße Richter erklärt den drei streitenden Söhnen, dass diese alles dafür tun sollten, die wahre Macht des Rings zu erwecken
  • Der Gläubige einer Religion soll demnach so handeln, also ob seine Religion die einzig wahre wäre
  • Lessings Grundprinzip, dass die Wahrheitssuche dem Besitz der Wahrheit vorzuziehen ist, ist also auch hier wirksam
  • das individuelle Streben nach Wahrheit und moralischer Güte und nicht die jeweilige Religionszugehörigkeit bestimmt den Wert eines Menschen und seiner Handlungen

Die Erziehung des Menschengeschlechts (1780)Bearbeiten

  • ebenfalls aus dem Fragmentenstreit hervorgegangen
  • gesucht wird eine dritte Position zwischen der rationalistischen Bibelkritik Reimarus' und dem Dogmatismus Goezes
  • große Positionsbestimmung der Aufklärung zwischen Vernunft und Offenbarung, zwischen Normativem und Positivem, zwischen Ideal und Empirie
  • Annahme, die Vernunft werde sich im Gang der menschliche Geschichte durchsetzen
  • Frage nach dem Wert und der bedeutung der positiven Religionen
  • das Menschengeschlecht werde in den positiven Religionen zu den Vernunftwahrheiten in Bildern von anschaulicher, faßlicher Gestalt hingeführt
  • Lessing grenzt sich gegen zwei Seiten ab:
"Er distanziert sich einerseits von der Position Reimarus', der die biblischen Berichte aus rationalistischer Perspektive kritisiert, weil sie der Vernunft widersprächen [...]; er wendet sich andererseits gegen den Buchstabenglauben Goezes, der verlangt, die Worte der Bibel müssten buchstabengetreu für bare Münze genommen werden [...]." (187)
  • Lessing versieht seine Darlegungen mit einer skeptischen Relativierung: "Wenn nur hypothetisch die Entwicklung zu einer glücklichen Erziehung des Menschengeschlechts angenommen werden kann, so muss auch die Möglichkeit eines Scheiterns dieses eben nur angenommen Projekts behandelt werden [...]."

Hofmann 1999: 147-190

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki