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Literarische Aufklärung als komische Perspektivierung abstrakter NormenBearbeiten

  • Christoph Martin Wieland (1733-1813)
  • Umsetzung eines selbstkritischen und selbstreflexiven Aufklärungsverständnisses in epische Dichtformen
  • Begründer des modernen deutschen Romans
  • mit der Einführung eines kommentierenden Erzählers macht er den Roman zu einem kritischen Instrument der Aufklärung
  • bearbeitete Grundprobleme der zeitgenössischen Anthropologie
  • komplexe dialogische Reflexion über die Grundantriebe und Tribefedern des menschlichen Verhaltens

Wielands EpikBearbeiten

  • methodische Vermittlung widerstreitender Perspektiven muss zu einem Grundanliegen der aufklärten Epik werden
  • komische Epik: nicht das in ihr Normwidrige im Sinne einer allzu selbstgewissen Rationalität wird verlacht, sondern dergestalt 'belacht', dass durch die Verletzung der jeweiligen Norm auch deren Relativität verständlich gemacht wird
  • komische Epik als komplexes Verweisungsspiel, in dessen Verlauf komkurrierende Wahrheits- und Normansprüche in einen spielerisch ausgetragenen Konflikt geraten
  • dargelegte Spannung soll "ausgehalten" werden und so eine heitere und gelassene Haltung entwickeln
  • Wielands Epik geprägt von Skepsis, Ironie, Erotik, Schwärmerkritik, pragmatisches Interesse an gesellschaftlichen und politischen Fragen, keine radikale Trennung zwischen Literatur und geschichtlicher Erfahrung

BiographieBearbeiten

  • Sohn eines pietistisch beeinflussten Pfarrers
  • geboren in der Nähe von Bieberach
  • pietistisch orientierte Erziehung in der Internatsschule
  • 1750: Beginn des Jurastudiums in Tübingen
  • Verlobung mit 'Cousine' sophie Gutermann steht im Zeichen der Empfindsamkeit
  • dichtet als junger Student im Geschmack einer empfindsam inspirierten Auklärung
  • Versuch einer Synthese zwischen empfindsamen und sensualistischen Tendenzen
  • wohnt einige Zeit im Hause des sittenstrengen 'Kunstrichters' Bodmer, der auch auch das Haupt der Anti-Gottsched-Partei ist
  • Ergebnis: Wielands "seraphische" Phase
  • Wieland bewahrte Zeit seines Lebens einen tiefen Respekt vor den positiven aspekten der Empfindsamkeit, vor aufrichtigem Enthusiasmus für Tugend und Menschlichkeit
  • kritisierte und analysiert aber auch wie kein zweiter die Weltfremdheit und innere Widersprüchlichkeit einer übersteigerten Empfindsamkeit
  • 1760 Rückkehr nach Bieberach
  • arbeitet dort als politischer Beamter
  • intensiver Kontakt mit dem von der frz. Aufklärung geprägten Kreis um den Grafen Stadion
  • seine erworbene Weltkenntnis führt zu einer krassen Desillusionierung und einem differenzierten Einblikc in die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse der Zeit
  • erste deutsche Shakespeare-Übersetzung (22 Bände)
  • 1764: Don Silvio von Rosalva (satirischer Roman)
  • 1765: Comische Erzählungen (frivol-erotische Versepik)
  • 1766: Agathon (erste Fassung)
  • 1768: Musarion (kurze Versdichtung)
  • 1769: Professur an der Uni Erfurt, wo er gemeinsam mit 2 Kollegen an einer aufklärerischen Reform der Hochschule mitwirken soll
  • Konflikt mit der religiösen Orthodoxie
  • "Die konservativen [katholischen] Professoren bekämpfen den aufgeklärten Geist, der mit Wieland an die Universität gekommen ist, lenken gewissermaßen stellvertretend einen Atheismus-Verdacht auf einen von Wielands Studenten und verleiden Wieland die neue Tätigkeit, die ermit vielen Hoffnungen begonnen hatte
  • 1771: Der neue Amadis ("Meisterwerk" komischer Epik)
  • 1772: Staatsroman Der goldne Spiegel
  • 1772: Herzogin Anna Amalia hotl Wieland als Prinzenerzieher für ihren Sohn nach Weimar, 1775 wird er von Goethe abgelöst
  • 1773: Gründung des Teutschen Merkur, eine der bedeutendsten publizistischen Unternehmungen der deutschen Aufklärung, wo er zu allen wichtigen Themen der Zeit Stellung nimmt
  • die Zeitschrift wendet sich ausdrücklich an ein möglichst breites Publikum; jeder elitäre Anspruch ist ihr fremd
  • Wielands Lebenslauf ist exemplarisch für die Entwicklung der deutschen Aufklärung
  • hat oft schwere Auseinandersetzungen (wie Lessing), weicht diesen aber nicht aus
  • setzt vor allem literarisch an die Stelle der aggressiven Polemik die spättisch-ironische Abrechnung mit Intoleranz und anmaßender Borniertheit

WerkBearbeiten

  • Sonderstellung des Agathon und der Abderiten in der Entwicklung des deutschen Romans im 18. Jh.
  • Wie manifestiert sich Wielands spezifisches Aufklärungskonzept gerade in der epischen Vermittlung in Roman und Vererzählung?
  • bei Wieland geht es nicht mehr um Identifikation mit dem Protagonisten oder einer Nebenfigur, "sondern um die kritische Überprüfung duessen (und deren) Verhalten in gegebenen Situationen, für deren Plausibilität sich der Erzähler [...] verbürgt." (200)
  • Aufklärung = kritische Reflexion über konkretes Verhalten in gegebenen Situationen
  • Ein Charakter soll von allen Seiten beleuchtet werden
  • "Wieland propagiert eine offene Untersuchung menschlicher Möglichkeiten und Perspektiven, die illusionslos, aber nicht misanthropisch erscheint." (201)
  • umfassende Skepsis gegenüber jeder vermeintlich festen Wahrheit
  • " 'Weisheit' definiert sich aber nicht einfach dadurch, dass der Weise etwas weiß, sondern liegt gerade d darin, dass er getreu der bekannten sokratischen Devise ("Ich weiß, dass ich nichts weiß") um die Problematik jedes Wissens weiß." (201)
  • Wielands (und Lessings) Aufklärungskonzept: "wenn es nicht mehr um den Beistz einer eindeutigen Wahrheit, sondern um das Wissen geht, dass Wahrheit nur in der perspektivischen Annäherung an die Objekte des Wissen besteht." (202)
  • Versepik: "Einsicht in die Relativität menschlicher Wahrheit und menschlicher Moralvorschriften durch den kritisch-komischen Umgang mit tradierten literarischen Mustern veranschaulichen." (202)

Agathon (1766)Bearbeiten

s. Roman

Geschichte der Abderiten (1781, Buchausgabe)Bearbeiten

s. Roman

Musarion (1768)Bearbeiten

  • Versdichtung
  • Konflikt zwischen Empfindsamkeit und Erotik, 'reiner' und sinnlicher Liebe
  • Verbindung von Elementen des Lehrgedichts, der Komödie und der Erzählung
  • derbe komödienhafte Elemente in der 'Entlarvung' der idealistischen Philosophen
  • Wahrheiten sind situativ eingebunden und müssen sich in der Kontingenz konkreter Verhältnisse bewahren
  • Krise der Gesellschaft findet sich in literarischer Vermittlung in der Versdichtung wieder
  • Vereinigung der divergierenden Liebesvorstellungen empfindsam-bürgerlicher und erotisch-aristokratischer Provenzienz in einer Synthese nur durch Loslösung von der Gesellschaft und damit in der Isolation möglich
  • hinter der anmutigen Fassade des Textes steckt eine skeptische Analyse der zeitgenössischen menschlichen Gesellschaft

Der Neue Amadis (1771)Bearbeiten

  • Höhepunkt einer skeptisch-desillusionierenten, mit komischer Reflexion aufklärerischer Normen angereicherte Epik
  • Versdichtung
  • Parodie eines Ritterepos, die den erhabenen Ton meidet und die Ideale mittelalterlicher Ritterlichkeit ironisch destruiert
  • derb-komischer Effekt: Wendung gegen das ritterlicher Ideal der 'hohen Minne': Auf der Suche nach der Richtigen v***** Amadis alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist xD
  • Empfindsamkeit, deren latente Lüsternheit decouvriert wird, ein amoralischer Sensualismus, ein bigotter Tugendrigorismus - alle diese Phänomene zeitgenössischer Mentalität werden verspottet und kritisiert
  • alle Versuche, die menschliche Erfahrung mit einen System von Normen und Werten zu organisieren und mit Sinn zu füllen sind zum Scheitern verurteilt
  • Verschiedenheit der Menschen und der Widerstreit als ein Grundphänomen der menschlichen Existenz muss akzeptiert werden
  • ironisch gebrochenes Happy End --> Märchenschluss
  • die verschiedenen Handlungsorientierungen des Menschen stehen unverbunden nebeneinander und es kommt darauf an, "dieses Nebeneinander in einem moderaten und toleranten Geiste zu bewältigen und vielleicht sogar zu genießen" (209)
  • negatives Urteil über: Intoleranz, Misanthropie und Hochmut, Anmaßung und Heuchelei

Oberon (1780)Bearbeiten

  • greift auf die Motive seiner empfindsamen Anfänge zurück
  • Synthese der beherrschenden Motive (sinnliche und empfindsam-'hohe' Liebe, Rationalität und Religion) führt nicht zu einer 'Umwertung aller Werte', sondern entspricht den Grundsätzen einer moralische anspruchsvollen Humanität
  • 'negative' Analyse und Kritik wird durch eine 'positive' Gestaltung der ZIele des Menschen ersetzt
  • Prinzip der Liebe setzte sich durch
  • die 'reine' Liebe siegt

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